Versuche

*

 

Ihr war kalt, leblos hing sie in den Seilen, die ihr straff um Hand und Fußgelenke geschlungen worden waren.

Ein Zittern durchlief ihren schmalen Körper, der weiß und nackt gegen das Holz gefesselt wurde, schmerzhaft bohrten sich die spitzen Splitter in ihren mageren Rücken, die gespannte Haut platze auf unf was warme Blut perlte an ihr herab und tropfte lautlos zu Boden.

Das braune Haar floss ihr in vollen Wellen über die Schultern und bildete einen krassen Kontrast zu den Schweißperlen die sich auf ihrer Stirn angesammelt hatten. Sie hatte die Augen krampfhaft zusammengepresst, als wollte sie sich nicht sehen müssen, derart gedemütigt in einer solchen Position. Sie biss die blendend weißen Zähne zusammen und unterdrückte den Schrei, der ihr die Kehle hinaufgekrochen war. "Nicht schön, oder? Nicht angenehm, so unperfekt? Das Gegenteil von dem, was du erschaffen wolltest."

Sie öffnete ruckartig die Lieder, Dunkelheit, zu schwarz um eine Gestalt auszumachen umfing sie. Leise war die Stimme gewesen, es war die einer Frau - ohne Zweifel, ein metallisches Schaben, wie eine Klinge die über eine andere fuhr.

"Hat es dir die Sprache verschlagen, kleiner Stern?" es hatte viel zu warm geklungen, viel zu süß, wie purer Süßstoff.

Als die Flamme ohne Vorwarnung vor ihr auftauchte konnte sie dem Drang, geblendet die Augen zu schließen, kaum wiederstehen, sie fingen an zu tränen. Ein Husten schüttelte ihren Körper, der auf und abgeschüttelt wurde, einer leblosen Puppe gleich. 

Ein amüsiertes Lachen erklang scheinbar nur wenige Meter neben ihr "Wie dumm von dir kein Aspirin einzustecken." ein spöttisches Schnalzen. Sie hob den Kopf und starrte angestrengt in das winzige, von einem Streichholz entfachte Feuer. Die Frau bemühte sich sichtlich nicht zu viel von sich preiszugeben. Sie konnte zwar ihre Größe und die schwarze, oder braune Kleidung ausmachen, doch das Gesicht blieb ihr verborgen.

Sie kam näher: "Du bist eine Verräterin.. vielleicht bist du dir dessen noch nicht bewusst, doch ich werde dir zeigen, was es heißt, zu verraten. Du wolltest besser sein, als all die anderen, kleine Sandy, du hättest besser acht geben sollen!"

Ein Schlag traf sie und ließ ihren Kopf hart gegen das Holz schlagen, ein leiser, wehleidiger Schrei entfuhr ihr, der Laut einer getretenen Katze, als sie das Blut spürte, dass ihren Nacken hinabrann. "Wer bist du?" flüsterte sie, mit sich beinahe überschlagender Stimme.

Eine Ohrfeige traf ihre makellosen Lippen und ließ diese aufplatzen. "Habe ich dir gestattet zu sprechen, kleiner Stern?" einen Brechreiz unterdrückend schüttelte sie den Kopf.

Diesmal schenkte die Gestalt ihr ein Lächeln, wie jemand, der ein Kind für eine gewünschte Reaktion zu loben gedachte "Du lernst schnell, kleiner Stern, wir werden uns hervorragend verstehen."

Das Messer blitze im Schein des immernoch aufleuchtenden Streichholzez auf, dass in diesem Moment erlosch. Ein überdrehtes Lachen erklang aus der plötzlich erschaffenen Dunkelheit als Sandy zu schreien begann.

 

*

12.7.10 04:05

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen