Blicke zwischen den Zeilen

Blicke zwischen den Zeilen

 

Lautes Stimmengewirr, das Klirren der Gläser, wenn sie über die blankpolierten Tische fuhren, deren Holz im Laufe der Jahre ausgeblichen war. Eine Wolke hing in der Luft, bestickt mit dem brennenden Geruch der flackernden Flammen, die ihr Licht dem Raum darboten, ihm mit ihrem leben bringenden Licht beschenkten, mit dem nach billigem Bier, der einem in der Kehle hängen blieb und sich wie Nebel im Körper ausbreitete, den Zwang austeilend sich davon zu befreien. Hier konnte man sie alle beobachten, gedrungene, hoch gewachsene Bauern, denen die tägliche Feldarbeit das Funkeln der Augen stumpf werden ließ und die glaubten, nur durch einen Schluck des gedankenverwirrenden Getränkes wieder zu sich selbst finden zu können. Kinder, die erwachsen wirken wollten, und so noch viel kleiner wirkten, als sie sowieso schon waren, das Haar viel ihnen in die Stirn, die Lippen waren trotzig zusammengepresst, wollten sie doch beweisen wer sie waren, woher sie kamen. Soldaten, deren rostverdreckte Rüstungen  bei jeder noch so winzigen Bewegung aufschrien, konnten sie doch die Taten ihrer Träger nicht aus ihren Erinnerungen verbannen, und das Blut nicht von ihren metallenen Körpern waschen, das in jeden Winkel gedrungen war um sie zu erinnern, ob des allgegenwärtigen Todes. Frauen waren nicht gern gesehen, in der Stätte, die den Männern angehörte, wie diese annahmen. Umso absonderliches wirkte der schmale, unter einem Umhang verstecke Körper einer dieser Exemplare, der sich in eine der hintersten Ecken verborgen hatte, und bis jetzt ungesehen geblieben wahr. Schwarzes Haar schlängelte sich unter der unscheinbaren Kapuze hervor, und bedeckte Schultern, ihr Gesicht. Ihre Hände lagen allen Anschein nach verschränkt um den schlanken Körper. Was man nicht sah, war der lange Dolch, dessen Ursprung die lange Bekleidung war, einer Kralle ähnlich lag er, silbern glänzend in einem dünnen Schaft an ihrem ledernen Gürtel. Unruhig hob und senkte sich ihr Brustkorb, und unruhig huschten ihre Blicke über Stühle, Menschen, und immer wieder streiften sie die eiserne Tür. Ein Windstoß stob durch den großen Raum und das Feuer erlosch für die Winzigkeit eines Augenblickes als eben diese mit Schwung geöffnet wurde, und eine Gestalt sich in die Schenke schob. Seine Körper war in diesem Fall unwichtig, niemand beachtete die breiten Schultern, die hohen Wangenknochen und das Schwert, dass er mit der rechten umklammerte, was jeden erstaunte, waren seine Augen. Jedes war ein Stern, dazu geboren zu strahlen & schlussendlich bin hinein in die Ewigkeit zu leuchten. Niemand hätte es in Worte fassen können, doch jeder von ihnen, ob alt ob jung, arm oder reich, jeder von ihnen wusste für diesen Moment, wie Liebe aussah. Doch ebenso schnell wie Neugier aufflammt, erlischt sie auch wieder. Und kaum hatten sie alle verstanden, vergaßen sie auch wieder. Schlossen ihr Herz und ihren Kopf, um nicht zu lange denken zu müssen. Über ihr Leben, ihre Vorstellung davon, und die gleichbleibende, wahre Realität. Lediglich die Kinder würden weiterhin wissen. Kinder, der einheitliche Begriff, der Reinheit unterstrich, unendliche Freude, ausgelöst durch ein Wort und ebenso schnell der Vernichtung ausgeliefert. Doch auch sie wandten sich schnell ab, so jung und unschuldig sie doch waren, verstanden sie, dass die Botschaft, die das Funkeln der Augen übermittelte, nicht für sie bestimmt war.

 

Ich wollte weiterschreiben, Worte an Worte heften,

sie zusammenfügen zu einem Gedicht.. das ohne Reim existiert.

Doch die Botschaft ist nicht für uns und sollte von uns nicht angerührt werden,

 sie gebührt den zweien, die sie übermittelten.

Lassen wir die Feder ruhen, die, Tinte zu Hilfe nehmend,

das leere Blatt mit ihren Buchstaben füllte.

 

 

Für Manuel, weil es nichts schöneres gibt, als geschriebene Geschenke, und weil dies einem winzigen Dank gleichkommt, wofür auch immer.

 

16.10.10 18:11

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